IAAP Knowledge Badge „Barrierefrei lehren“
Am 20.03.25 habe ich meine erste IAAP-Prüfung abgelegt: Knowledge Badge „Barrierefrei lehren“. Es ging um die Relevanz von Barrierefreiheit in der Lehre, die Vielfalt der Nutzendenbedürfnissen, Barrierefreiheit im Hochschulkontext und barrierefreie Dokumente und Lehrmaterialien zu erstellen. Ich habe viel gelernt, war sehr aufgeregt und habe die Prüfung bestanden.
Escape Game „Barrierien“
Anfang des Jahres hatte ich diese Idee, den Gedanken, der mich rumgetrieben hat: Warum werden immer nur Behinderungen simuliert? Versteh mich nicht falsch, Simulationen sind sehr hilfreich, um Empathie zu erzeugen, aber sie sind auch umstritten. Es muss doch aber auch anders gehen.
Barrieren simulieren
Das war meine Idee: Statt Behinderungen zu simulieren, simulieren wir Barrieren. Aber was ist überhaupt der Unterschied?
Behinderungen simulieren ist zum Beispiel:
- Farbsehschwächen simulieren mit Farbfiltern
- sich die Augen verbinden um Blindheit zu simulieren
- im Rollstuhl sitzen und eine Gehbehinderung simulieren
Wenn ich im Gegensatz dazu eine Barriere simulieren will, dann muss es etwas sein, was nicht-behinderte Menschen stört, ohne dass ich ihre Fähigkeiten oder Körper irgendwie einschränke. Die Lösung sind Assistive Technologien. Ich nutze Screenreader, Tastatur und Co. als Lösung. Daraus habe ich ein Spiel entwickelt. Wir begleiten Freddy durch die Welt von „Barrierien“ und müssen assistive Technologien nutzen, um weiter zu kommen.
Du kannst selbst das Spiel durchspielen und sehen, wie weit du kommst.
Persönliche Bedeutung
Was für mich besonders ist, dass ich diese Art von Sensibilisierung noch nicht gesehen habe. Ein Spiel, das Barrieren simuliert und gleichzeitig auf das Thema digitale Barrierefreiheit aufmerksam macht. Ich muss sagen, dass mich das stolz gemacht hat, auch wenn es nur klein ist. Es war das erste Spiel, was ich je entwickelt habe. Im Nachhinein ist ein Game Designer auf mich zugekommen und wir arbeiten gemeinsam mit einer Illustratorin an einem neuen Projekt. Das ist etwas umfangreicher und wird noch etwas Zeit brauchen. Davon erzähle ich mehr, wenn wir so weit sind.
Wenig Spieler*innen
Das Spiel ist jetzt seit 7 Monaten online und es haben nicht viele Leute durchgespielt. Ja, das weiß ich so genau, weil (Spoiler) man zum Schluss ein Formular ausfüllen muss ich sehe, wie häufig das gemacht wurde. Zwischendrin sehe ich auch die Anzahl der Aufrufe vom Video.
Das hat mich anfangs ziemlich enttäuscht. Wenn ich Feedback bekommen habe, dann war es positiv, aber das kam auch nicht allzu häufig vor. Was ich gemacht habe, um die Situation zu verbessern, ist einen Walkthrough erstellt, wo ich in einem Video das Spiel von vorne bis hinten durchspiele. Das scheint ein bisschen geholfen zu haben, aber war noch nicht ausreichend. Ich habe daraus gelernt, dass ich Spiele einfacher und simpler gestalten muss. Die erwartbare Frustrationsgrenze muss ich runterschrauben.
Fach-Vorträge
Dieses Jahr habe ich meine ersten Vorträge in der Barrierefreiheitsszene gehalten. Zum einen beim Accessibility Club Summit in Würzburg und beim WordPress Accessibility Day. Beide Male habe ich „Barrierien“ vorgestellt und die theoretischen Hintergründe erklärt.

Ich war sehr aufgeregt, was man auch gemerkt hat. Aber so ist das und ich hoffe, dass ich mit der Zeit einfach besser werde und dazu lerne. Vermutlich ist ein bisschen Aufregung auch gut und normal. So weiß ich, dass es mir wichtig ist.
Besonderen Dank an Leonie Theißen, die die Illustrationen für meine Slides beim WordPress Accessibility Day erstellt hat.
Für 2026 ist ein Implusvortrag bei Plätzchen-Talk im Februar geplant und vielleicht ergibt sich auch noch die ein oder andere Gelegenheit.
Workshop
Meinen ersten Sensibilisierungs-Workshop habe ich im Sommer gehalten. Es ging darum, erste Berührungspunkte mit dem Thema digitale Barrierefreiheit zu schaffen. Vor allem habe ich dem Team gezeigt, worauf sie bei Social-Media-Posts und beim erstellen neuer Beiträge auf der Website, achten sollten. Wir sind schnell in die Umsetzung gegangen und haben praktische Übungen genutzt. Eine Aufgabe war zum Beispiel das Kontaktformular auf der eigenen Website auszufüllen, während eine Simulation einer Sehbehinderung darauf lief. So musste der Screenreader genutzt werden und wir sind direkt auf Barrieren gestoßen. Natürlich ersetzt das keine User-Tests mit Menschen mit Behinderung.
Workation
Ein Vorteil hat Selbstständigkeit: Man kann arbeiten, wo man will. Zumindest in meinem Fall. So waren mein Mann und ich Anfang des Jahres für einen Monat in Portugal in der Algarve und haben von dort aus gearbeitet. Das hat uns so gut gefallen, dass wir es 2026 wieder machen.


Webdesign
Die erste Hälfte des Jahres hab auch ich stark die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Die Auftragslage war schlecht und ich glaube das ging vielen Selbstständigen so. Dafür kam im Sommer alles auf einmal bei mir. Mehrere Websites habe ich innerhalb kürzester Zeit erstellt. Was mich besonders freut ist, dass meiner Meinung nach, sehr unterschiedliche Designs entstanden sind. Dem Vorurteil, dass barrierefreie Websites langweilig und eintönig sind, möchte ich Etwas entgegen setzen.





Dark Mode
Eine Kundin hat sich Dark Mode gewünscht. Nun, das habe ich bisher noch nie gemacht, also war das umso interessanter für mich. Die Schwierigkeit war, dass es recht wenig Informationen zu barrierefreiem Dark Mode gibt und ich Vieles selbst erschließen musste. Es ist vermutlich auch noch nicht perfekt, aber zumindest gut nutzbar.

Relevante Punkte für Barrierefreiheit:
- Wenn man „Dark Mode“ im Browser hinterlegt hat, dann wird automatisch umgeschaltet
- Der Switcher ist als Checkbox umgesetzt, welche direkt gestylt wurde. Ein sonst häufig gewählter Weg ist die Checkbox verstecken und einen gestylten Dark-Mode-Button hinzufügen. Dann müsste man sich wieder um die Tastaturbedienbarkeit und Fokusrahmen kümmern und es wird umständlicher.
- Für alle Farben (außer Fotos) wurde mit Variablen gearbeitet, sodass sie sich im Dark Mode ändern. Das gilt auch für Fokusrahmen und Bedienelemente.
- Wenn möglich wurden SVGs für Illustrationen verwendet, die auch die Farbe ändern können.
Wiki
Ich habe dieses Jahr mein erstes Wiki für eine Kundin erstellt. Eigentlich war es nicht besonders schwierig, es war mir nur wichtig die Struktur von Anfang an fest zu haben. Die richtige Arbeit beginnt, wenn man neue Inhalte einpflegt.
Besonderheiten:
- Suchfunktion
- Gegliederte Sitemap
- Wenn man eine Seite ausdruckt, dann werden unwichtige Teile (wie Header, Footer…) ausgeblendet. Man druckt also nur die relevanten Inhalte aus.
- Wenn möglich habe ich Inhalte als Text eingefügt statt PDF.
- Erklärung auf der Startseite
Mein neues Brand Design
Ich hatte das Gefühl, dass mein altes Logo und Branding nicht mehr wirklich zu mir passt. Also habe ich mir kompetente Unterstützung von Leonie Theißen geholt, die mir ein neues Brand Design erstellt hat. Hast du schon das Braille-„i“ im Logo gefunden? Diese Idee hat mich komplett aus den Socken gehauen.


Dann habe ich Nemmi, die Meeresnacktschnecke, bekommen, die mein neues Maskottchen ist. Ich könnte nicht glücklicher sein mit meinem neuen Brand Design!

Barrieren-Adventskalender
Das Ende des Jahres habe ich mit meinem Barrieren-Adventskalender ausklingen lassen. Erst war ich mir nicht sicher, ob ich den überhaupt machen sollte. Das Prinzip ist, dass es eine Seite ist, auf der keine Barrieren mit dem Axe DevTool angezeigt werden, aber sie wimmelt nur so vor Barrieren. Jeden Tag im Dezember bis Weihnachten habe ich eine Barriere behandelt, erkläre, warum das ein Problem ist und wie man es lösen kann.
Die Seite war sehr schnell erstellt, denn Barrieren zu erstellen ist sehr einfach. Ich habe hauptsächlich Standard-Funktionen verwendet, dann ging es sehr schnell.
Learnings für mich
Ich habe inhaltlich einiges dazu gelernt. Das kam vor allem durch die Kommentare auf LinkedIn. Besonders möchte ich hier Philipp Wahle danken. Durch ihn habe ich unter Anderem gelernt, wie man eine Eyebrow-Überschrift semantisch noch besser umsetzen kann oder wie man komplexe Footer umsetzen kann.
Generell ist ein toller Austausch entstanden und ich habe interessante Menschen kennen gelernt. Ein bisschen war ich auch am Fan-Girl-en, weil einige meiner Vorbilder auf meine LinkedIn-Posts zum Adventskalender reagiert haben.
Sonstiges
Social Media
Dieses Jahr habe ich mich von Meta (Facebook und Instagram) verabschiedet. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Manchmal zweifel ich, ob es der richtige Weg ist, einfach die Augen vor den Krisen in der Welt zu verschließen. Auf der anderen Seite frage ich mich, was insgesamt das beste wäre? Wenn ich “wegschaue”, dann habe ich mehr Zeit und Energie, um etwas zu bewegen in dem Bereich, den ich gut kann. Ich habe mehr Ideen und setze mehr um. Vermutlich bringt das mehr für alle.
Ich verneige mich vor Leuten, die Aktivismus betreiben und auf Probleme aufmerksam machen! Großen Respekt und weiter so. Ich feuer euch an, auch wenn ich selbst nicht in dem Maße mitmachen kann, wie ich es gerne würde.
Visitenkarten
Wer nutzt heutzutage noch Visitenkarten? Kaum jemand. Deshalb war das auch mehr ein Hobby-Projekt statt eine Business-Entscheidung. Mein Ziel war es so nachhaltige und inklusive Visitenkarten wie möglich zu erstellen. Der offensichtlichste Teil ist Braille. Das reicht mir aber nicht. Ich möchte, dass auf der Rückseite auch etwas Taktiles ist und ich nähe gerne. Also habe ich aus Stoffresten unterschiedliche Muster erstellt. Bei einigen habe ich einen kleinen Knopf eingefügt, den man als Mini-Fidget-Toy nutzen kann.

Nachhaltigkeits- und Barrierefreiheits-Features
- aus Stoffresten genäht: taktile Rückseite
- Varianten mit Braille
- Varianten mit Mini-Fidget-Toy
Jede Visitenkarte ist ein Unikat und hat mich Zeit gekostet. Aber da ich nicht so viele Leute offline treffe, habe ich auch noch einige übrig. Also wer möchte, kann sich gerne bei mir melden.