Am 10. Mai 2026 fand unser erster Workshop “Ready to Level Up? Design Your Own Accessibility Game” statt, bei dem die Teilnehmenden ein eigenes Spiel über digitale Barrierefreiheit erstellt haben.
Ein paar Ergebnisse möchte ich hier etwas ausführlicher vorstellen.
ALT, aber gut
Jana Scheidemann entwickelt das E-Learning-Spiel „ALT, aber gut – Alternativtexte verständlich schreiben“, welches sie für ihre Online-Trainings und Workshops nutzen kann. Hier lernst du Schritt für Schritt, wie du Alt-Texte erstellst und bekommst auch in der Praxis gezeigt, was passiert, wenn Alt-Texte nicht gut sind.
Das Besondere ist, dass du in kleinen Schritten lernst und dir nicht einfach gesagt wird: “Schreib mal einen Alt-Text”. Stattdessen wirst du mitgenommen in die Praxis und lernst, worauf es ankommt.
Umgesetzt hat Jana das Spiel in einer PowerPoint Präsentation, die sie barrierefrei gestalten kann. Mithilfe von Verlinkungen der Folien kommt der interaktive Teil zustande.
Aufbau
Zuerst bekommst du eine Einführung und lernst, was Alt-Texte überhaupt sind.

Im ersten interaktiven Teil bekommst du einen Alt-Text vorgegeben und anschließend mehrere Bilder gezeigt. Du musst dich entscheiden, welchem Bild du den Alt-Text zugeordnet hättest. Hier lernst du direkt, wie wichtig es ist, präzise zu sein. Du bekommst auch Beispiele von echten Websites zu sehen, die gar nicht passen. So bekommst du nach und nach ein Gefühl dafür, was einen guten Alt-Text ausmacht.

Im zweiten Schritt gibt es ein Foto und einen Lückentext. Du musst also nicht direkt einen ganzen Alt-Text alleine schreiben, sondern bekommst eine Hilfestellung.
Der letzte Schritt ist, selbst einen Alt-Text zu einem Foto zu erstellen und das ohne Unterstützung.
Anwendung
- Schulung hauptsächlich für den Bereich Redaktion, aber auch Entwicklung und Design
- Selbstlernkurs für Personen, die eine eigene Website habe
Barrieren Uno
Nora Cudazzo hat ein Uno gestellt, was zum Diskutieren anregt. Du bekommst Uno Karten und auf den ersten Blick denkst du, dass du einfach Uno spielst. Und dann siehst du die Karten.

Es gibt ein paar “normale” Karten. Und es gibt welche, die durch zu geringen Kontrast kaum lesbar sind, komische Zeichen haben, eine Farbkarte in Schwarz-Weiß, verwirrende Zahlen und allgemein ist bei vielen Karten nicht erkennbar, was gemeint ist. Wie soll man denn das spielen?
Die Antwort ist: diskutiere mit der Gruppe! Gemeinsam müsst ihr eine Lösung finden. Es geht nicht darum zu gewinnen, sondern miteinander über Barrieren zu reden.
Anwendung
- Sensibilisierungs-Workshops
- Diskussionen im Team anregen, um über Barrieren nachzudenken und wie wir mit ihnen umgehen
- als Team-Event
Inclusive Growth
Das Spiel “Inclusive Growth” von Hanna Hoos ist ein Strategiespiel für Führungskräfte über Inklusion, Barrierefreiheit und wirtschaftlichen Erfolg.
So beschreibt Hanna ihr Spiel, Lernziele, Mechanik etc.:
„Inclusive Growth“ ist ein rundenbasiertes Entscheidungs- und Managementspiel für Führungskräfte. Die Spieler*innen leiten Unternehmen und müssen auf reale Herausforderungen rund um Barrierefreiheit, Diversität und Inklusion reagieren.
Lernziele
Das zentrale Lernziel:
- Barrierefreiheit und inklusive Maßnahmen verursachen kurzfristige Kosten, erzeugen aber langfristig wirtschaftlichen Erfolg durch höhere Reputation, zufriedenere Mitarbeitende und mehr Kund*innen.
- Das Spiel verbindet wirtschaftliches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung und zeigt, dass Inklusion kein „Kostenfaktor“, sondern ein Wettbewerbsvorteil ist.
Die Spieler*innen sollen:
- konkrete Maßnahmen zur Barrierefreiheit kennenlernen
- Auswirkungen von Exklusion verstehen
- erkennen, dass Inklusion wirtschaftliche Vorteile bringt
- Zielkonflikte zwischen kurzfristigem Profit und nachhaltigem Unternehmenserfolg erleben
- gesetzliche und gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren
- Diskussionen über diskriminierende Entscheidungen führen
Zielgruppe
- Führungskräfte
- Management-Teams
- HR-Abteilungen
- Studierende in Wirtschaft / Verwaltung
- Workshops zu Diversity & Inclusion
- Weiterbildung / Sensibilisierung
Kernmechanik
Jede Person spielt ein Unternehmen und verwaltet mehrere Ressourcen. Dazu gehören Geld, Reputation, Mitarbeitendenzufriedenheit, Anzahl Kund*innen, Barrieren.
Spielziel
Am Ende gewinnt nicht das Unternehmen mit dem meisten Geld allein, sondern das insgesamt nachhaltigste und inklusivste Unternehmen. Es werden alle Ressourcen in Geld umgerechnet. Dadurch werden soziale Faktoren wirtschaftlich relevant.
Rundenstruktur
Jede Runde besteht aus vier Phasen:
- Ereigniskarte ziehen: Eine zufällige Situation tritt auf. Beispiel: „Die Unternehmenswebsite ist nicht barrierefrei.“
- Entscheidung treffen: Die Spieler*innen entscheiden:
- investieren / inklusiv handeln oder
- ignorieren / kurzfristig sparen
- Konsequenzen anwenden: Die Entscheidung verändert Ressourcen. Wichtig:
- inklusive Maßnahmen kosten kurzfristig Geld
- Nicht-Handeln erzeugt langfristige Nachteile
- Rundenende: Prüfung von Strafregeln, Bonusregeln und Sonderereignissen.
Beispiele Ereignis-Karten
Bewerberin kritisiert unzugängliche Büros öffentlich
Entscheidung: Gebäude umbauen?
- Investieren:
- -20 Geld
- +10 Mitarbeitendenzufriedenheit
- +5 Reputation
- Ignorieren:
- -10 Kund*innen
- -5 Reputation
- +1 Barriere
Lernziel: Barrierefreiheit beeinflusst Recruiting und Außenwirkung.
Overlay-Angebot
Entscheidung: Accessibility Overlay kaufen?
- Investieren:
- -3 Geld
- -3 Reputation
- +1 Barriere
- Ignorieren
- keine Wirkung
Lernziel: „Scheinlösungen“ sind oft problematisch.
Hier kann später ein Debriefing zu Accessibility Overlays ergänzt werden.
Farbkontraste
Das Spiel von Jan zielt darauf ab, ein Gefühl für Farbkontraste zu bekommen. Das Kartendeck besteht aus Karten, die je mit einer einzigen Farbe ausgefüllt sind und mit einem Hex-Code.
Du bekommst Karten ausgeteilt, so wie bei Uno und dein Ziel ist es, als erste alle Karten loszuwerden. Pro Zug kannst du entweder eine Karte ablegen oder eine neue Karte ziehen.
Du solltest aber nur eine Karte ablegen, wenn du denkst, dass der Kontrast zur vorherigen Karte über 4,5:1 ist. Legst du eine Karte ab und jemand zweifelt am Farbkontrast, dann kann die Person den Kontrast anfechten. Es wird auf einer Tabelle nachgeschaut, wie groß der Kontrast ist. Die Person, die falsch lag mit ihrer Annahme, muss jetzt den gesamten Stapel aufnehmen.
Vorerst soll einen digitale Variante des Spiels entstehen. Da wird direkt berechnet, wie groß der Kontrast ist.
Anwendung
- Gesellschaftsspiel
- Design-Team
Rätselkoffer
Woran arbeite ich gerade? Zugegeben, das war nicht Teil des Workshops, aber die Ideen dafür sind in der Zeit entstanden. Deshalb gebe ich dir auch einen kleinen Einblick in mein aktuelles Projekt.

Ich möchte einen analogen Rätselkoffer erstellen, bei dem du etwas über digitale Barrierefreiheit lernst. Der Koffer ist in einzelne Bereiche eingeteilt und wenn du ein Rätsel gelöst hast, dann öffnet sich der nächste Bereich. Beispiele für Rätsel sind Alt-Texte zuordnen oder die richtigen Linktexte auszuwählen.
Meine nächste Herausforderung ist die Mechanik zu erstellen. Es soll schließlich nicht nur klassische Zahlenschlösser geben, sondern auch Buttons zum Drücken, Drehschalter und unterschiedliche Mechaniken.
Anwendung
- Sensibilisierungs-Workshops
- Team-Events
Vorteile Workshop
Jetzt hast du gelesen, was alles bei so einem Workshop entstehen kann. Vielen Dank an alle Teilnehmenden!
Aber warum überhaupt Spiele und spielerische Elemente? Kurzgefasst: Sie bringen Interaktionen, die leichter in Erinnerung bleiben. So ist der Lerneffekt höher.
Ich war vor kurzem auf einem Duisburg Event. Was ist mir am meisten in Erinnerung geblieben? Das XL-Memory, das ich gespielt habe. Ich habe dabei zwar nichts gelernt, aber es war die einzige Sache, die ich aktiv gemacht habe. (Reden zähle ich hier nicht.) Denk mal an deinen letzten Messebesuch oder Workshop. Woran kannst du dich am besten erinnern? Sind es Vorträge oder die Momente, wo du selbst aktiv warst?
Wo kannst du ein Spiel über digitale Barrierefreiheit nutzen?
- in Workshops oder Schulungen
- für Team-Events
- auf Messeständen
- E-Learning für deine Kund*innen
Wolltest du auch schon immer mal ein Spiel über digitale Barrierefreiheit erstellen? Dann komm zu unserem nächsten Workshop. Melde dich bei mir, damit du den nächsten Termin nicht verpasst. Ich gebe die nächsten Termine auf meiner Website und auf LinkedIn bekannt.